Montag, 23. April 2007

Geier Fonds - von skrupellosen Geschäftemachern


Hedgefonds kommen immer mal wieder ins Gerede und meist sind das dann Negativschlagzeilen. Nach der "Heuschreckendebatte", ausgelöst durch F. Müntefering, rücken nun Geier Fonds in den Blickpunkt des Interesses. Obwohl, so neu ist das Phänomen der sogenannten Geier oder Vulture Funds nicht.
Am 16.12.2004 berichtete die Zeit unter dem Titel "Die Geier sind da" vom Erscheinen dieser, auf notleidende Kredite spezialisierten Fonds.
Geierfonds heißen die neuen Finanzvehikel trefflich, die sich seit ein paar Monaten über Deutschlands faule Kredite und deren Sicherheiten hermachen. Sie heißen Lone Star oder Cerberus. Aber auch namhafte Institute wie Citigroup und Deutsche Bank mischen mit. Zeit online
Notleidende oder leistungsgestörte Kredite, sind Kredite, die 90 Tage nicht bedient worden sind. Der Schuldner hat dann keinen Einfluß mehr auf den Verkauf. Diese Kredite wurden den Banken zu günstigen Konditionen abgekauft und dann mit Gewinn eingefordert.

[..]die keine Bank sind und deshalb auch nicht besonders reguliert werden, handelt es sich bei den notleidenden Krediten um ganz normale Assets. Sie haben die Kredite samt Sicherheiten mit einem Abschlag zum vermuteten »fairen Wert« gekauft und wollen sie verwerten[..] Zeit online

Der Abschlag zum "fairen Wert" lässt ihnen Spielraum, der dem Schuldner zugute kommen könnte.
Ein Beispiel: Ein Darlehensnehmer kann seine ursprünglichen Zins- und Tilgungszahlungen nicht mehr voll leisten, wohl aber noch 60 Prozent. Der Geierfonds hat den Kredit zu 50 Prozent der ursprünglichen Summe in den Büchern stehen und stimmt deshalb einer Umschuldung zu, die aus dem notleidenden wieder einen bedienbaren Kredit macht. ebenda
So oder so bedeutet der Abschlag Gewinn für die Fondsgeselschaft.
Ein weiterer Vorteil der Geier gegenüber den Banken ist, dass man nicht auf längerfristige Kundenbindung angewiesen ist. Man hat einmal geschäftlich mit dem Schuldner zu tun und sieht sich dann wohl nicht mehr wieder, und braucht daher keine Rücksicht zu nehmen. Eine Bank hat diesen Kunden meist darüber hinaus als Kunde.

Wer nun denkt, dies sei die Krönung an Geschmacklosigkeit, wenn es darum geht Kasse zu machen, der sieht sich nun einews Besseren belehrt. Aktuell haben diese Funds nun eine neue Möglichkeit entdeckt Kasse zu machen. Wie SpOn am 23.04.2007 berichtet, kaufen diese Funds nun Industrienationen die Schuldtitel ab, die diese gegenüber afrikanischen Ländern haben.

So geschehen etwa im Falle der afrikanischen Rebuplik Sambias.
Der Vulture-Fonds beglich die Schulden, die das Land seit 1979 gegenüber Rumänien hatte. Damals liehen sich die Afrikaner 15 Millionen Dollar und kauften rumänische Traktoren. Vor acht Jahren bot die rumänische Regierung eine Reduzierung der Schulden auf 3 Millionen Dollar an, wenn Sambia sofort zahle. Sambia konnte nicht zahlen, wohl aber Sheehan. Da die Übernahme von Schulden durch Dritte die Zustimmung aller Beteiligten erfordert, schickte sein Büro eine E-Mail an den sambischen Präsidenten und bot diesem einen Deal an: Er werde der sambischen Regierung eine Spende von 2 Millionen Dollar überweisen. Für ein "vom Präsidenten gewähltes Hilfsprojekt". Die Taktik ging auf, und Sheehan kaufte den Schuldtitel für 3 Millionen Dollar. Seine Forderung an die sambische Regierung belief sich daraufhin auf rund 40 Millionen Dollar.
SpOn

Die Fondsgesellschaft klagte zu Beginn des Jahres vor einem Londoner Gericht und bekam teilweise Recht.
Sambia muss nun 20 Millionen Dollar an den Geier-Fonds zahlen. Das Geld wird aus dem Schul- und Sozialbudget des Landes genommen. SpOn

Sambia wurde bisher vor der Zahlung bewahrt, weil die Richter die Auffassung der Rechtsanwälte Sambias - u.a. ein Bruder Tony Blairs - teilten, dass die 2 Millionen Spende eine Bestechung sei.
Und noch ein Beispiel, das man sich genüsslich auf der Zunge zergehen lassen sollte.
Prominentester Geier der USA ist aktuell der New Yorker Milliardär Paul Singer. Singer ist größter Financier des letzten Wahlkampfs von Präsident George Bush gewesen. Bereits 1996 hat sein Unternehmen Elliot Associates Schulden Perus für 11 Millionen Dollar gekauft, geklagt und 58 Millionen Dollar von dem Anden-Staat erhalten. Singers aktuelle Schuldenjagd führt in die Republik Kongo. Für 10 Millionen Dollar kaufte er einen Teil der Schulden des Landes. jetzt will Singer den vollen Betrag plus Zinsen (127 Millionen Dollar) und Schadenersatz, weil das afrikanische Land so korrupt sei. Aktueller Streitwert vor Gericht: 400 Millionen Dollar. SpOn

Robert Evans Abgeordneter der PSE hat anfang März im Falle Sambias eine Anfrage im Europäischen Parlament vorgelegt. Eine Antwort der Komission liegt auch vor. Da heisst es u.a.
However, the Commission is ready to support any suitable initiative aimed at reducing the activities of vulture funds, and more generally, ensuring greater commercial creditor participation in future discussions on the framework of international debt relief. Antwort

Kommentare:

dpetereit hat gesagt…

Ich darf mal einen Artikel dazustellen?

Lothar hat gesagt…

@dieter: schön, dass es dich auf mein Blog verschlagen hat ;-). Schade, dass ich deinen Artikel erst jetzt gelesen hab. Ist sehr gut.

dpetereit hat gesagt…

That´s the way life goes und Danke für die Blumen ;-)

Lothar hat gesagt…

Zum Thema gibts auch schon wieder neues.
Hedgefonds

sv hat gesagt…

dieter wohin man klickt ;-) *winke*